Grosse Vögel – Grosse Kulisse

Auf dem Hahnenmoospass fand am 25. und 26.8.2018 das jährliche Treffen der Modell-Grosssegelflieger unter reger internationaler Beteiligung statt. Trotz anfänglich widriger Wetterbedingungen (Regen und Nebel) organisierte die „IGG Interessengemeinschaft Grosssegler“ der Schweiz einen aufsehenerregenden und spannenden Mehrtages-Event für grosse Modellflugzeuge, der besonders am abschliessenden Sonntag in strahlender Sonne vor schon fast winterlicher Bergkulisse seinen Abschluss fand.

Die zum Teil fast riesigen Modelle, die im Massstab 1:4 zum Original Spannweiten von bis zu 12 Metern und Geschwindigkeiten – je nach Bauart – zwischen 200 und 400 km/h erreichen können, sind ausgesprochen anspruchsvoll zu fliegen. Man darf dabei nicht vergessen, dass schon der Start aber auch die bisweilen riskante Landung Mensch und Material vor höchste Anforderungen stellt.

Mutiger Start eines Modell-Grossseglers am Hahnenmoospass.

In der Bergwelt verstärkt sich das alles nochmals: steil, abschüssige Klippen und Hänge, aber auch die in den Bergen immer am Hang anzufliegenden Landplätze lassen die teilweise über 10.000 CHF „kostbaren“ Fluggeräte zwar oft phantastisch fliegen, hin und wieder aber auch nur wenig schonend landen.

Äusserst weit gereiste Teilnehmer

Während die Mehrzahl der Teilnehmer des von der Schweizer IGG organisierten Anlasses Mitglieder des nationalen Verbandes waren, kamen überraschend viele auch aus dem angrenzenden Ausland. Die weiteste Anreise hatte dabei eine Gruppe aus dem im norddeutschen Weser-Bergland gelegenen Holzminden, die für einige Tage die Strecke von hin und zurück fast 1.600 km Autofahrt auf sich genommen hatte. Sie seien noch nie auf solcher Höhe gesegelt und besuchten das Berner Oberland zum ersten Mal in ihrem Leben, gaben die anfangs noch etwas scheuen Niedersachsen zu Protokoll.

Grosses Aufsehen erregten die in den kalten Berghimmel startenden und oft täuschend echt aussehenden Flugzeuge auch in der Vogelwelt am Hahnenmoos: Während ein grosser Milan sich eher gelangweilt wegdrehte und sein Futter an anderen Orten suchte, sammelten sich erregte Alpendolen in einem Schwarm und versuchten vor allem die kleineren der Modellflieger aus ihrem Revier zu vertreiben. Lediglich ein mit Sturzfluggeschwindigkeiten von über 200 km/h ebenfalls pfeilschneller Falke genoss es auffallend, einmal mit den in seinem Augen vermutlich etwas „steif“ wirkenden Modell-Kameraden mithalten zu können.

Modernste Technik – Digitalisierung im Modellbau

Lauscht man den bereitwillig und ausführlich gegebenen Erklärungen der Modellbau-Fachleute, beginnt man zu verstehen, dass die früher oft als „Spielzeuge“ angesehenen Modellflieger heute nur durch modernste Technik das sein können, was sie sind.

Modernste Akku- und Computertechnik beherrschen heute das Innenleben eines grossen Modellflugzeugs.

Das beginnt bei dem in vielen Fällen softwaregestützten und durch elektronische Flugsimulationen begleiteten Entwurf, es führt voll-digitale Steuerungen des Innenlebens (so genannte „Bus-Systeme“ und Computersteuerungen, wie sie heute auch im Gross-Fahrzeugbau verwendet werden) und endet nicht zuletzt bei höchst-leistungsfähigen Akkus, die derart leicht sind, dass an dem Flieger-Sonntag auf der Lenk Flugzeuge an den Start gehen konnten, die bei mehreren Metern Spannweite kaum mehr als 2 kg Fluggewicht haben.

Das Hahnenmoos-Hotel unterstützt die in regelmässigen Abständen stattfindenden Segler-Treffen mit einer für diese Zwecke hervorragend geeigneten Infrastruktur und einem aufmerksamen und flinken Service. Dass dabei gut Essen und Trinken durchaus ein Attraktionspunkt auch für die internationalen Gäste sind, das konnte man – als Teilnehmer der Gruppenabende – an diesem freundlich-frischen Wochenende (es gab in der Nacht zum Sonntag schon den ersten Schnee) ausgiebig und mit viel Genuss selbst erfahren.

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